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©Seyfettin Saribas

August 2003

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Kapali Carsi

Ob unter persischen oder römischen Herren, unter den Makedoniern, Griechen, Kreuzfahrern oder Osmanen, ob Byzanz, Konstantinopel oder Istanbul die 2500 jährige Stadt am Goldenen Horn war seit den Anfängen ihrer wechselhaften Geschichte stets eines der wichtigsten Handelszentren der Welt.

Nach der Eroberung der Stadt durch die Osmanen (1453) ordnete Sultan Mehmet 1461 den Bau des gedeckten Basars aus Holz an. Der innere Bedesten (Markt), bis heute eine der Herzkammern des Basars, bedeckte eine Fläche von 1336 m2. Seine Mauern umfassten ursprünglich 44 Laden, in denen besonders wertvolle Waren wie Samt, Seide, Waffen und Edelsteine verkauft wurden. Hier wurden auch die Ersparnisse und Wertgegenstände der Bevölkerung aufbewahrt.

Die Wände sind 150 cm dick und auf allen vier Seiten mit mchtigen Eisentoren versehen. Heute ist dieser Cavahir Bedesten die Fundgrube fr Antiquitten und traditionellen alten Schmuck. Mehmet liess einen zweiten, den Sandal Bedesten, bauen. Rund um diese Urzellen wuchs in kurzer Zeit ein Geflecht von über 60 rechtwinkligen Ladenstrassen mit mehr als 30 Karawansereien. Mehr als 400 Jahre lang barg diese Schatztruhe einen märchenhaften Mikrokosmos, in dem sich der unermessliche Reichtum des Vielvölkerstaates widerspiegelte. Der Basar blieb von den politischen Wechselfällen verschont. Lediglich Naturkatastrophen, vor allem Brände, bedrohten ihn. Am ärgsten erwischte es den Basar im Jahre 1589. Damals verschlang eine Feuersbrunst nahezu die ganze Stadt. Nach 1750 verblasste der Glanz des osmanischen Reiches allmählich und damit auch die des Basars. 1894 riss ein verheerendes Erdbeben grosse Breschen in die Bausubstanz. .

Die beiden Balkankriege von 1912/13 waren der endgültige Ruin. Während des Ersten Weltkrieges bot der Kapali Carsi ein trauriges Bild: Die Gassen waren leer von Menschen und moderten vor sich hin, die Händler verarmt. Erst in den fünfziger Jahren setzte eine Renaissance ein. Die Republik Türkei erlebte einen rasanten Wirtschaftsboom.  Die Einwohnerzahl von Istanbul wuchs explosionsartig. Heute sind es nahezu 15 Millionen. Der einsetzende Touristenstrom in den sechziger Jahren veränderte das Bild des Basar zusehends.Ende der achtziger Jahre mussten alle Shops, welche unerlaubter weise in die Gassen gebaut worden waren, auf die ursprünglichen Grenzen zurückweichen Reklamen, welche zu tausenden herunterhingen, wurden entfernt, die ursprüngliche Malerei wieder angebracht.

Heute wird der Basar von Massenprodukten überschwemmt. Je nach politischer Situation stürmen die Touristen täglich zu hunderttausenden durch die 18 Tore. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion haben die Schwarzmarkthändler aus Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan Istanbul zu ihren bevorzugten Einkaufsquellen erkoren. Auch die ohne Visum einreisenden Iraner versorgen sich in Istanbul. Doch der Handel für die billige Ware hat den Basar verlassen. Rund um den Basar sind riesige Billigmärkte entstanden, mit Umsätzen in Milliarden von Dollar. Hier kaufen vorwiegend Frauen aus den GUS-Ländern in grossen Quantitäten

ein, um in ihren Ländern das Gekaufte mit Profit verkaufen zu können. Auch Käufer aus arabischen Ländern sind in grosser Zahl anzutreffen. Das emsigen Treiben dauert bis weit in die Nacht hinein. Der jährliche Umsatz dieser Läden ist rückläufig, beträgt dennoch aber rund 5 Milliarden US Dollar. Der Basar von Istanbul hat dennoch seine geheimen Ecken und Besonderheiten: Im Zincirli Han in der Nordost ecke des Basars findet der Liebhaber nach wie vor auserlesene Teppiche und Antiquitten. Auch rund um den Cavahir Besdesten old Basar sind gute Teppichhändler mit ihren recht kleinen Geschäften zu finden. In vielen Auslagen des Sandal Bedesten findet der Besucher auch die kunstvoll geschnitzten Meerschaumpfeifen. Was wäre der Basar aber ohne das Gold? Innerhalb der Basar mauern werden jährlich fast 100 Tonnen Gold umgesetzt. Allein für den Detailhandel werden zirka 60 Tonnen Gold verarbeitet. Es leben sicher mehr als die Hälfte der über 4000 Ladenbesitzer direkt oder indirekt vom Gold-Geschäft. An der glitzernden Hauptstrasse des Goldbasars finden sich die Ateliers unzähliger Juweliere und Goldschmiede. Die Erfolgreichsten der Branche liegen sicher nicht an vorderster Front  sie verbergen sich eher hinter unscheinbaren Fassaden, um so bei den Steuerbehörden keinen Verdacht zu erwecken. Bei einem Basar streifzug darf der Besuch des Misir Carsisi, des Agyptischen Basars, unten am Goldenen Horn nicht fehlen. Die Hallen sind erfüllt von anziehenden Düften der aufgehäuften Kräuter und Gewürze.

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